Erster Teil
Der Sommermorgen stieg aus verblassendem Dunkel empor. Schon füllte sich die weite Mulde der Rheinebene zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen mit einem perlmutterfarbenen Glanz. Streifen von Krokusgelb schossen am wolkenlosen Himmel hin, und der Kamm des Waldgebirges stand in harter Schwärze auf dem glasklaren Hintergrund, der langsam von frischer Blutwärme zu erröten begann. Jetzt traf der erste Widerschein der Helle die dunkle Masse der Vogesen. Ein grüngoldner Schimmer hob ihre Umrisse ins Licht. Sie rundeten sich, bekamen Gestalt und Leben. Zackentürme mächtiger Ruinen, Dörfer, von elfenbeinernen Dünsten umflort, dunkler Laubwald, smaragdgrüne Wiesen und schwärzlich glänzender Nadelforst wuchsen ins erste Morgenrot. Gold troff vom Himmel auf das elsässische Land. Im reifenden Korn rief eine Wachtel. Am Gehölz, das seine krausen Linien in die gestreckten Felder malte, spritzten die wilden Kaninchen auseinander und flüchteten ins Gebüsch. »Laß sie, genug von der Landplage für heute,« sagte Klaus Krafft von Illzach und blieb auf den Jägerstock gestützt stehen, um den farbigen Morgen zu grüßen. Er hatte den abgebleichten Hut tief auf die Hakennase heruntergezogen. Im Schnurrbart und Kinnhaar, das noch ungefärbt, grau und borstig herabhing, glitzerte die erste Sonne. »Kaninchen schießen, wenn man dicht vor dem Kriege steht, ist allerdings nicht das Richtige für Hand und Auge.