Chapter

Erstes Buch

»Du, Livia, ich fürchte, bis wir den Altarteppich fertig bringen, werden wir Beide grau.« »Wir haben ein schwieriges Muster gewählt. Die Stickerei › à la Gobelin‹ erfordert Zeit.« »Oder es heirathet uns bis dahin Jemand.« »Da wir ihn aber einmal angefangen haben, müssen wir ihn nun auch vollenden.« »Höre, Livia, ich werde nicht zugeben, daß Du Dich verheirathest, so lange ich unvermählt bin.« »Nein, Prinzessin.« »Daß ich doch endlich einmal ein ›Nein‹ von Dir höre; obgleich es eigentlich auch nur die Umschreibung eines ›Ja‹ ist. Weißt Du auch, daß Du die Schuld trägst, daß ich so unausstehlich bin?« »Ich weiß weder von dem Einen, noch von dem Andern.« »Der fortwährende Umgang mit Dir hat mich dermaßen verwöhnt, daß ich kein anderes weibliches Wesen um mich leiden mag. Ich finde die jungen Mädchen sammt und sonders überaus häßlich. Du allein bist schön. Rabenschwarzes Haar und dazu dunkelblaue Augen. Man kann ein ganzes Land durchforschen, ohne Aehnliches zu finden. Diese stets lächelnden, feingeschnittenen Lippen! Selbst wenn sie Zorn ausdrücken wollen, zeigen sie nur eine Nuance von Lächeln. Und dann diese herrliche, reine, blendend weiße Stirn. Wie gut thun doch die anderen Frauen daran, das Haar à la Hirtenbube über die Stirne herabzuziehen, und so den einzigen Reiz zu verdecken, den selbst eine Frau an der anderen schön findet. Deine Stirne gemahnt mich immer an das

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