Erstes Kapitel: Der erste Tag im Exil.
Friederike schlief seit dem frühen Morgen. Ein fieberhafter und ermattender Schlaf mit Träumen von alle den Trübsalen und Beschwernissen als vertriebene und gestürzte Königin, ein Schlaf, welchen das Getöse, die Sorgen und Ängste einer achtwöchentlichen Belagerung erschütterten, der von blutigen und kriegswilden Visionen gejagt und unterbrochen wurde, ein Schlaf, von Schluchzern, Schauern und Zufällen nervöser Abgespanntheit war es, welchen Friederike schlief, und aus dem sie erst unter der Empfindung eines jähen Entsetzens in die Höhe schreckte. »Zara?... Wo ist Zara?« schrie sie auf. Eine ihrer Frauen trat an das Bett heran, mit der in weichem Tone gebrochenen Versicherung: S. K. H. der Hr. Graf von Zara schlafe in voller Ruhe in seinem Zimmer; Madame Eleonore weile bei ihm. »Und der König?« »Seit Mittag in einem der Hotelwagen ausgefahren!« »Ganz allein?« Nein. Seine Majestät hätte den Herrn Geheimen Rat Boscowich mit sich genommen... Je länger die Dienerin in ihrer Dalmatiner Mundart, die volltönend und hart wie eine über Kiesel plätschernde Welle klang, zu ihr sprach, um desto mehr fühlte die Königin ihre Angst und ihre Schrecken sich zerstreuen; und nach und nach erschien ihr das ruhige, friedliche Hotelzimmer, das sie bei ihrer Ankunft gegen Tagesgrauen kaum deutlich hatte sehen können, in seiner geisttötenden und üppigen Alltäglichkeit, mit seinen hellen Vorhängen,