Vorwort des Herausgebers
Wie mehrere der letzten novellistischen Arbeiten Laubes ist auch die erste der in diesem Bande vereinigten Novellen »Die kleine Prinzessin« die Verwertung eines vor Jahr und Tag zinslos angelegten Kapitals. Wie der Kurfürst eines kleinen deutschen Staates auf einer Studienreise nach Paris von einer raffinierten französischen Hochstaplerin umgarnt wird, wie er, auf einige Zeit ganz ihrem berückenden Zauber verfallen, seine nationale Pflicht soweit vergißt, daß er die Ausländerin zu seiner Gattin machen will, und wie er dann von seinen Getreuen mühsam aufgeklärt und wieder zu seiner deutschen Liebe, der Tochter eines noch kleineren deutschen Reichsfürsten zurückgeführt wird, diese zum Teil groteske Bekehrungsgeschichte war der Vorwurf zu einem Lustspiel gewesen, das Laube 1859 unter dem Pseudonym »Gustav von Blittersperg« im Verlage von H. Hässel als Manuskriptdruck erscheinen ließ und das, wohl seines komplizierten Intrigenapparates wegen, keinen Schritt auf die deutsche Bühne getan hat. Die Gruppierung des Stoffes ist in dieser »Crescentia« eine wesentlich andere. Die ganzen Begebenheiten sind hier in der notwendigen dramatischen Verkürzung gesehen. Das Vorspiel gibt die Vorgeschichte, die Verlobung des Kurfürsten mit Crescentia, der Tochter des Reichsfürsten Crescentius, und schließt mit dem Tode ihrer Mutter, die nicht ohne Besorgnis dem jungen Paare noch ihren Segen geben