Chapter

Erster Abend

Es war fast Mitternacht. Sie wird heut nicht mehr kommen, sagte der junge Graf, das Schloß liegt ihr zu fern, das Wetter ist ungewiß, die Wege sind nicht die besten. Und, rief der junge Anselm, was wetten wir, daß sie dennoch erscheint trotz allen Ihren Befürchtungen? denn sie reiset gern in der Nacht, sie hat es versprochen und setzt alles an ihr Wort. Wetten? antwortete Graf Theodor, in bin kein Freund davon, aber ich wünsche, daß Ihre Vorhersagung, Baron, die Sie so dreist aussprechen, in Erfüllung geht; denn wir gewinnen Alle, wenn Sie Recht behalten. Und tritt der Fall nicht immer ein? rief der hochmüthige Anselm mit schnödem Tone. Wenn Sie Ihrer Sache so überaus gewiß sind, rief Theodor ihm entgegen, so thun Sie wenigstens Unrecht, Wetten anzubieten. Anselm sagte: wenn Sie es scheuen und vermeiden, Geld zu wagen, so ließe sich ja auch die Frage anders stellen. Theodor stand auf, als wenn er dem Redenden näher treten wollte, die Wirthin des Hauses aber, welche diesen Ungestüm der beiden jungen hochfahrenden Männer fürchtete, begütigte sie beide, indem sie das Gespräch auf andere Gegenstände richtete. Sie forderte einen ältlichen, kleinen Mann auf, in der Geschichte, welche zufällig war unterbrochen worden, fortzufahren, doch dieser sagte mit einer schlauen Miene: Verehrte Baronin, es möchte in diesem Augenblicke zu spät seyn, denn vom Thale herauf höre ich schon ein

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