I.
Lange Zeit haben die Geschicke der Erben des Köbinghof's den Gesprächsstoff der Leute gebildet. Dann sind sie vergessen worden, wie alles Alte über dem Neuen vergessen wird. Und nachdem sich die Leute eine Zeitlang darüber aufgeregt, daß die schöne Frau Maria Terhalden einmal den Hof verlassen hatte und ins Leben hinausgegangen war, sie wohl gar pflichtvergessen und leichtfertig genannt hatten, beruhigten sie sich darüber und dachten, daß in diesem Falle das Schicksal in ganz unerhört wohlwollender Weise wieder gut gemacht habe, was irrende Menschenhand fehlte. Das alles war so gekommen: Der alte Herr Arne Terhalden war an einem heißen Augusttage nach langem Siechtum gestorben und drei Tage später unter den Ulmen des Friedhofes im Kirchdorfe ernst und feierlich begraben worden. Seit mehreren Jahrhunderten hatten die Terhaldens vom Köbinghof, Männer und Frauen, lebensmüde Alte und unschuldige Kinder, auf diesem Friedhofe ihre letzte Ruhe gesucht und gefunden. Ein ganzes Viertel des Platzes war besetzt mit Kreuzen und Steinen, die den Terhaldenschen Namen trugen; es war das vornehme Viertel in der Totenstadt der Bauerngemeinde. Am Tage nach dem Begräbnis saßen die Erben des Verstorbenen zu wichtigen Beratungen in dem großen Wohnzimmer zusammen. Das heiße Sonnenlicht, das über Hof und Garten brütete, dunstete durch die zugezogenen weißen Vorhänge. Unter der hohen Zimmerdecke, an