Eine-Kueste-Die-Es-Nicht-Gibt
Man rief nach einer Erinnerungskartografin, wie andere Orte nach einem Priester riefen, und Salla hatte gelernt, erst zu fragen, wenn sie angekommen war.
Der Ort hieß Vetka, oder hatte so geheißen, ehe die Karten aufhörten, sich mit dem Wasser zu einigen. Jetzt liefen die halben Straßen in die Bucht hinaus wie Sätze, die eine Flut unterbrochen hatte. Salla stand auf dem, was die alte Vermessung beharrlich Hafenstraße nannte, und blickte auf vierzig Meter graue, gleichgültige See. Irgendwo darunter, versprach die Vermessung, lagen ein Fischmarkt, eine Kapelle und das Haus, in dem ein Mann namens Ottar geboren worden war.
Ottar hatte sie geholt. Er empfing sie an der neuen Uferlinie — das hässliche Wort, *neu*, das hier jeder mit zusammengebissenen Zähnen sagte — ein Mann so alt, dass er eher gefaltet als gealtert schien. Er wollte keine Karte davon, wo die Küste war. Karten davon, wo die Dinge lagen, gab es beim Staat für eine Münze. Er wollte eine Karte davon, wo die Küste *gewesen* war, ehe die warmen Jahrzehnte das Eis von den Bergen zogen und das Meer landeinwärts gehen ließen, einen Meter alle paar Jahre.
„Genau bis zur alten Linie", sagte er. „Jede Gasse. Jede Tür."
Salla rollte ihre Geräte auf einem Tisch aus, der nach Salz und Holzrauch roch. „Ich kann aus der alten Reichsvermessung und den Satellitendaten interpolieren. Es wird nicht vollkommen. Der Grund verschiebt