Die junge Frau Kaudel will einen Papagei haben.
Die junge Frau Kaudel blickte von der Abendzeitung auf, die sie in einem Lehnstuhl beim Kamin studiert hatte. Sie räusperte sich mehrmals, um Herrn Kaudels Aufmerksamkeit zu erregen, dieser aber schrieb gerade einen Artikel über die Frage: »Ist ein Ministerium Roseberry möglich?« und beachtete ihr Getue nicht. »Du Männe! Du Männe!« Herr Kaudel hatte die erste Anrede überhört, da er aber nicht stocktaub war, mußte er wohl oder übel auf die zweite reagieren. »Hm — ja?« »Bist du beschäftigt?« »O durchaus nicht — nicht der Rede wert!« sagte Herr Kaudel stöhnend. »Ich habe nur fünftausend Wörter zu schreiben und den Artikel heute nacht noch auf die Post zu bringen, das will ja nichts heißen! Was gibt es denn?« »In der Zeitung ist ein entzückender Papagei ausgeschrieben! Du weißt, wie sehr ich mir immer einen Papagei gewünscht habe. Wenn ich die Anzeige herausschneide und dir gebe, willst du dann morgen hingehen — Dockstraße 24, Shadwell ist die Adresse — und den Vogel ansehen?« Herr Kaudel legte die Feder hin und atmete tief auf. »Liebes Kind, du wirst doch nicht ernstlich daran denken, einen Papagei im Haus haben zu wollen?« »Warum denn nicht? Andere Leute haben auch Papageien, und dieser kann sprechen. Er wird mir Gesellschaft leisten, wenn du ausgegangen bist.« »Stimmt. Ich zweifle auch gar nicht, daß dich ein Papagei über meine Abwesenheit trösten könnte, aber was soll ich mit