Die Jüngste des Kleeblatts
Auf der Diele lagen lange, sonderbar verschnörkelte Sonnenstreifen; denn auch die Schatten vom Weinlaub brachen herein, das die drei Fenster des großen Zimmers eng umrankte. Nur das eine, das am meisten nach dem Giebel zu gelegen war, zeigte seine volle, länglich viereckige Form, indes die andern zu ovalen, mäßig großen Gucklöchern verengert waren. Vor dem mittleren Guckloch war Tante Heinemanns Arbeitsplatz. Da stand ein birkenes Tischchen mit einem Bezug von Wachsleinwand. Tante Heinemann hatte es sehr billig auf einer Auktion gekauft, als sie noch Minchen Greding hieß. Es wuchs, kaum zwei Spannen im Geviert, auf einer schwanken Säule aus einem dreibeinigen Fußbänkchen auf und war mit einem tiefen Schubkasten versehen. Amtmann Greding behauptete, es sehe aus, wie ein Zwerg mit einem Wasserkopf. Und er hatte so unrecht nicht. Auf dem Zwerg stand ein Korb mit schadhafter Wäsche und Stopf- und Flickutensilien. Darüber hing ein hölzernes Bauer mit einem Starmatz. Der Starmatz hatte den Kopf unter den Flügel gesteckt und schien zu schlafen. Er war Tante Heinemanns besonderer Schützling, trotzdem er ein ganz sündhafter Schlingel war. Wenn Tantchen ihre tägliche Erbauung las, konnte sie versichert sein, daß Peter anhub, seine weltlichen Liedchen zu pfeifen. Sein Repertoire war beinahe so groß, wie dasjenige seines früheren Besitzers, eines lahmen Drehorgelspielers. Denn von der