Die Irrlichter
Es hatte schon mehrere Tage lang gewittert. Die schweren Wetterwolken konnten keinen Ausweg finden ans den Klüften des Gebirges. Finster und grollend zogen sie ihre schwindelnden Pfade an den schroffen Bergeswänden dahin — Pfade, auf denen kein Maulthier, kein kühner Jäger ihnen nachkletterte, — oder sie senkten sich tief herab in die Schluchten, riefen mit brüllender Donnerstimme in jede Felsenspalte, in jede Höhle hinein und hauchten ihren schwülen Athem auf die Bäume und Pflanzen, die angstvoll und regungslos dastanden. Das scheue Wild hatte den Schutz der Wälder und Höhlen gesucht, und die Bergschwalbe, die an den Felsenwänden nistet, wagte sich nicht mehr hinauf in die obere Luft. Dicht über dem Boden dahin fahrend, mit den dunklen Spitzen ihrer Flügel fast die Gräser streifend, zog sie in zitternden Kreisen hin und wieder. In kurzen, heftigen Stößen hatte der Sturmwind die Thäler durchbraust, als Vorläufer von sinnverwirrenden Regengüssen. Toll und grausam, wie er ist, hatte er es wenig Acht gehabt, ob die schönsten und stolzesten Bäume des Waldes ihm bittend ihre grünen Arme entgegen streckten. Wenn auch hier und dort eine schlanke, biegsame Birke sich unverletzt seiner wilden Umarmung entwand, so mußte doch manche herrliche Eiche, manche immergrüne Fichte mit gebrochenen Gliedern seine rauhe Begrüßung entgelten. Des Sturmes Schwestern, die Regengüsse, die standen ihrem