Chapter

Die Intellektuellen

Frau Professor Diamant saß in ihrem großen Ankleidezimmer, vor einem hohen, dreiteiligen Spiegel. Sie hatte soeben die Friseurin entlassen. In breiten Wellen war das stumpfblonde Haar um den Kopf gelegt, von einem mit Wachsperlen bestickten, schwarzen Sammetband durchschlungen. Der Teint, der im vollen Tageslicht einen grauen Ton hatte, war jetzt, in der Zimmerwärme des feuchten Septemberabends, leicht gerötet. Die Augen, vom reinen, tiefen Blau der Kornblumen, glänzten. Sie erhob sich, reckte die hohe Gestalt, warf den Frisiermantel ab. Die volle Büste lastete auf den weichen Fischbeinstäben des niedrigen Korsetts, das die Hüften schlank und fest zueinanderzog. Frau Edda warf einen Blick auf die Uhr und griff eilig nach dem Kleid, das auf einer Stuhllehne bereit lag, einem Gewand von weicher chinesischer Seide, mit gewagt durchbrochenen Spitzenornamenten. Sie liebte es nicht, in den letzten Stadien des Ankleidens Bedienung um sich zu haben und vollendete ohne Hilfe die Toilette. Ihr Gatte rief aus dem Nebenzimmer: »Sie werden gleich da sein.« Frau Edda hatte die letzten Haken geschlossen und hing den Frisiermantel an seinen Platz in den Schrank. Sie steckte noch vorsichtig, ohne die weiße Seide ihres Kleides zu gefährden, ein Paar Leisten in die Straßenschuhe, die sie abgelegt hatte. Dann spülte sie nochmals rasch beim Waschtisch, mit vorgestreckten Armen und zurückweichender

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