Die Ignoranten. Zweiter Theil
Hör' endlich auf, ein Kind zu seyn! sprach Rosemunde, als Herr von Lassen täglich wiederkam und ihr Gatte sie mit sanftem Ernst beschwor, den falschen Bruder zu entfernen. Ein Kind? entgegnete er und gedachte des goldnen Morgens: ach, wär' ich noch der kleine Gustav! Wie glücklich wollt' ich seyn, wie fröhlich wollt' ich springen, wie ruhig schlafen! Nach dem »Walte-Gott« käme die Tante zu uns und ließe das Licht brennen: setzte sich zwischen mein und Gustels Bett und erzählte uns von Lämmern und Engeln. Die säh' ich dann im Traum und spielte mit ihnen. O der Einfalt! rief die Spötterin. Erzählen kann ich auch. Von Lämmern die zu Schaafen wurden und Schaafe blieben, ihr Leben lang. Du kannst nur hofmeistern; nur rühmen, wie Du überall gefielst und immer nur von Dir selbst reden. Die Tante sprach zwar auch von sich aber wie eine bußfertige Sünderin. Deine Worte sind lieblos, ihre Rede war herzlich und liebevoll. Das süße Persönchen! Ein Weltkind war sie freilich nicht, aber sie liebte den Herrn und der nahm sie auf. Wenn Du mir gut bist, Mundel, so entweihe das Angedenken der Seligen nicht, die mir wohlgethan hat. Immer trat sie als eine liebende Mittlerin zwischen uns und den Vater – Friede sey mit ihr! Weil sie Augusten verzog? Kränke mich nicht. Die Gustel ist gut, der muß es wohlgehn. Als Tante starb, knieten wir betend an ihrem Bette. Da legte sie ihre zitternden Hände auf