Chapter

Die Huberbauerin

„Gib mein’ lieben Mutterl und allen christglaubigen Seelen die ewige Ruh’, und das ewige Licht leuchte ihnen – Herr, laß sie ruhen im Frieden – Amen!“ so schloß ein hübsches, aber sehr bleich aussehendes Bauermädchen sein Nachtgebet, indem sie Stirne, Mund und Brust andächtig mit dem Kreuze bezeichnete. Gleichzeitig erhob sie sich, schob den hölzernen Stuhl, vor dem sie gekniet hatte, bei Seite, setzte den Wachsstock auf den nebenan stehenden Schrank und wollte eben das alte Gebetbuch schließen. Da fielen die Blätter etwas über, und zwischen den großbedruckten gebräunten Seiten wurde ein dürres Kleeblatt sichtbar. Das Mädchen hielt einen Augenblick inne und betrachtete das Blatt, während über ihr vom kleinen Wachslicht schwach beleuchtetes Gesicht etwas gleich einer wehmüthigen Bewegung glitt. „Was thust Du noch da?“ fragte sie halblaut vor sich hin. „Hab’ gemeint, der Wind hätt’ Dich schon lang mitgenommen und verweht, wie dieselbe Zeit, wo Du grün gewesen bist! – Flieg ihr nach nun … Du gehörst nicht recht herein mehr unter die frommen Sprüche und Gebeter …“ Damit blies sie das Wachslicht aus, trat an das kleine niedrige Fenster und ließ das Kleeblatt in die Sommernacht hinaus fallen, die schwarz und lautlos über der Gegend lag. Eine geraume Zeit starrte sie in das Dunkel hinaus, und ließ sich die Nachtluft um Stirne und Hals wehen. Sie kam kühl aus den Tiefen herauf, vom

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