Chapter

Die hohe Kunst

Ich kannte Konstantin Petrowitsch oder Kostja Schtschetinkin von der Gouvernementsstadt her, als er noch Gymnasiast war. Ich kann nicht behaupten, daß ich mit ihm besonders intim verkehrt hätte, aber der Hof und der langgestreckte Obstgarten meiner Tante grenzten an das Haus der Schtschetinkins, und meine kleinen Vettern und Basen spielten gerne mit dem lustigen und ausgelassenen Nachbarsjungen. Es ging natürlich nicht ohne Streitigkeiten ab, diese wurden aber entweder von der Hausmeistersfrau und Köchin Mawra oder vom Kutscher Luka geschlichtet und kamen nur in ganz außergewöhnlichen Fällen vor meine Tante, die es bei ihrem leichtsinnigen und gleichmütigen Charakter mit freundlicher Nachgiebigkeit verstand, alle Reibungspunkte zu beseitigen, die bei anderen Eltern unvermeidlich zu Familienzwisten geführt hätten. Kostja war wohl ein weder besonders guter noch besonders schlechter Junge; er war lebhaft, gar nicht dumm, rothaarig, stupsnasig und immer zerzaust; da ich in die Stadt nur in den Sommerferien kam, sah ich ihn immer mit Sommersprossen auf dem gebräunten Gesicht und in einer schmierigen Jacke mit durchgewetzten Ellenbogen. Tantchen siedelte bald nach Moskau über, da die Kinder heranwuchsen und sie an ihre weitere Erziehung und Ausbildung denken mußte; da sie für mich aber das einzige Bindeglied mit der Provinz war, vergaß ich allmählich unsere Stadt und dachte natürlich

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