Chapter

Die hölzernen Pferde

Hausmeister Sörensen erhob sich langsam von seinem Lager, während er einen forschenden Blick auf die ruhig schlafende Gestalt im zweiten Bette warf. Eine warme, stickige Luft herrschte in dem engen Schlafraum; ein Brodem, der von menschlichen Ausdünstungen und den ewig feuchten Kalkwänden herrührte, machte das Atmen schwer. Aber die Sörensens spürten es schon gar nicht mehr. Sie waren es gewohnt und waren fest überzeugt davon, daß das Wohnen in einer feuchten Wohnung nun einmal ihr Schicksal sei. Sörensen setzte sich auf den Bettrand und ließ die Beine, die in wollenen Unterhosen steckten, unschlüssig herunterbaumeln. Das Entsetzen, welches das Traumbild bei ihm hervorgerufen hatte, stand immer noch in seinem grauen, spitzen Gesicht. Er stieß einen halb unterdrückten Seufzer aus und fuhr sich mit einer verzweifelten Geste durch das ungekämmte Haar, das grotesk von seinem Schädel abstand. Dann erhob er sich und schlüpfte mit den nackten Füßen in die Pantoffeln, die auf dem abgetretenen Bettvorleger standen. Die Atemzüge der schlafenden Frau gingen rasselnd und unregelmäßig. Sie lag mit zur Seite geneigtem Kopf da; ihre Züge waren gespannt mit einem Ausdruck voller Unruhe. Auch sie schien schlecht zu träumen. Der Schein einer Laterne, die vor dem Hause stand, hellte den Raum ein wenig auf; er drang durch die vorgezogenen Gardinen und zauberte eine seltsame, fast geisterhafte

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