Francis und der Generalkonsul
In ungewöhnlicher Erregung war Mama von ihrem Ausgange heimgekehrt. Francis sah es auf den ersten Blick: ihr mußte etwas ganz Besonderes begegnet sein. Es geschah selten, daß Mama ihre ein wenig steife Haltung verlor, und auch dann noch pflegte sie sich ihrer Tochter gegenüber sehr in acht zu nehmen. Heute vergaß sie sich so weit, daß sie schon im Korridor, während das Dienstmädchen ihr den Mantel abnahm, der ihr entgegenkommenden Francis zurief: »Du gehst doch nicht aus, Kind? Du bleibst doch zu Hause? Ich habe dringend mit Dir zu sprechen!« Wo mochte sie nur gewesen sein? Und was war es, das sie alle Bedenken gegenüber der geschwätzigen Marie vergessen ließ? Es gehörte sonst zu Mamas heiligsten Grundsätzen »die Leute« nicht merken zu lassen, wie es einen bestellt war. »Die Leute« wußten es zwar trotzdem. Es ist nicht schwer zu durchschauen, wie der verwitweten Frau Majorin mit ihren tausend oder zwölfhundert Mark Pension und den Zinsen eines sehr zusammengeschrumpften Kapitals zu Mute ist – zumal wenn der Herr Sohn, der Premierleutnant, allerhand Nebenbedürfnisse hat, und die Tochter für Bücher, Musikalien, Theater und Konzerte reichlich so viel verbraucht, als die gnädige Frau ihren »Leuten«, das heißt eben der Marie, Vierteljahrslohn zahlen konnte. Aber Mama hätte geschworen, daß Marie nichts ahnte. – Sie hatte sich denn auch bald ihrer besseren Gewohnheit erinnert.