Chapter

Die Hexe

In dem riesigen, hohen Saal breitete das Gericht seine ganze herrliche Pracht und sein Grauen aus. Es war ein Winterabend. Von der Decke herabhängende Kronleuchter und an glatten, weißen Wänden brennende Lampen ergossen ihr Licht auf die scharlachroten Bezüge der Tische, auf die Fenstervorhänge, und auf die bunte Mannigfaltigkeit der Gesichter und Kleider des Publikums. Im Hintergrund des Saales nahmen die Richter Platz, an einer Seitenwand ließen sich die Geschworenen auf zwei hohe und reich verzierte Bänke nieder. An einem Fenster war der Ankläger, gebeugt über einen reichlich beleuchteten Tisch, in ein eifriges Studium des Gesetzbuches vertieft, an einem anderen blätterte der Sekretär in einem Stoß Papier. Ein zur Aufrechterhaltung der Ordnung bestimmter Beamter, dessen Anzug mit Goldstickereien geschmückt war, setzte sich etwas zur Seite, nachdem er rasch und lautlos durch den Saal gegangen war. In der herrschenden Stille, die nicht einmal durch die für einen Augenblick angehaltenen Atemzüge von einigen hundert Menschen gestört wurde, verkündete der Gerichtsvorsitzende laut und deutlich das Verbrechen, das den Angeklagten zur Last gelegt wurde. Es war kein gewöhnliches Vergehen gegen das Gesetz, sondern ein Verbrechen, ein schreckliches Verbrechen, eines von jenen, die von Zeit zu Zeit vor den gequälten Augen der Menschheit vorbeiziehen wie bösartige und grauenhafte Träume.

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