Erstes Kapitel
Der Herbst hatte seinen Einzug gehalten in den Halligen. Scharen wilder Gänse grasen zwischen den Lämmern; um die Wattströme mit ihrem vielverschlungenem Netz von kleinen Wasserläufen streichen mit ohrenbetäubendem Gezeter unzählige Mövenenten, während Langbeine aller Art, welche die Wanderschaft nach fernen Ländern hier zusammengefunden, in dem zähen Schlick herumstechen nach Meergetier, und in den grünen Wasserläufen selbst, die vom Meere hereindrücken, der Tümmler sein lustiges Wesen treibt. In der Nacht aber saust und braust es in den Lüften von Tausenden von Flügeln, mit der Brandung um die Wette, die weit draußen sich bricht, oft so dicht über dem Strohdach, daß die Schläfer erschreckt auffahren und den seltsamen Lauten aufhorchen. Die Alten bekreuzigen sich wohl und drehen sich auf die andere Seite, die Jungen aber packt das Sehnen nach fernen Ländern, und Bild auf Bild verscheucht den Schlaf. Gestern kehrte man vom Markte zu Wyk zurück, die Schiffe vollgestopft mit Winterwaren. Jetzt konnte es losgehen! Man hatte nichts mehr zu suchen draußen. Die Binnenarbeit hob an. Der erste „Aufsitz‟ sollte bei den Götreks genommen werden auf der Götrekswarf, die acht Giebel umfaßte. Mutter Götrek hauste dort seit zwölf Jahren mit ihren beiden Söhnen Lars und Knut. Den Vater hatte die Nordsee geholt, die Mordsee, wie sie Mutter Götrek nannte; es vollzog sich damit nur ein altes