Erstes Kapitel
Erstens war die Feder so schlecht, wie sie auf kleinen Postämtern zu sein pflegt, wo jeder seine Wut darüber, daß er telegraphieren muß, an dem Schreibmaterial ausläßt. Zweitens hatte er kalte Finger, die noch niemals mit einer verdorbenen Feder besonderes geleistet haben. Drittens beherrschte ihn das deutliche Gefühl, daß die junge Dame, die da neben ihm, nur durch die halbhohe matte Glaswand von ihm getrennt, ohne von ihrer Umgebung irgendwelche Notiz zu nehmen, sich schreibend auf das Papier beugte, sehr hübsch sei. Drei Gründe dafür, daß er die Hand auf dem Telegraphenformular ruhen ließ, auf dem bis jetzt nur in kritzligen Buchstaben zu lesen stand: »Wenn Wetter gut, morgen Wannsee-Bahnhof . . .« Das Weitere, auch die Adresse, die er aus gewissem Argwohn gegen etwa über die Schulter schauende Vorübergehende immer zuletzt schrieb, sollte folgen. Aber da hatte ein ganz feiner sympathischer Duft – er schätzte: Veilchen plus junger Frauenkörper – ihn gestreift; und er warf die schlechte Feder auf das Telegrammformular und beschloß zu warten. Zu warten, bis die Schreiberin neben ihm sich von ihrer, wie es schien, mühevollen Arbeit endlich aufrichten würde. Ihr einfacher mit Pelz besetzter dunkelblauer Wintermantel verriet eine hübsche Figur. Das Haar war tief schwarz, kein Bubikopf, ein Knoten. Es muß schwer für sie sein, dachte Veit, bei ihrem reichen Haar und der unmodernen