Erster Teil: Es ist Abend geworden
In der Tiergartenstraße zu Berlin herrschte ein reges Leben. Der herrliche Vorfrühlingstag hatte die Menschen ins Freie gelockt. Die Autos rasten aneinander vorüber, und da sie seit Jahren nur elektrisch betrieben wurden, störte kein Benzinduft die Frische und den Frühlingszauber, der in der Luft lag. Die Abendsonne leuchtete noch gerade durch die Querstraßen und vergoldete die Wipfel der Bäume des Tiergartens. Im Gegensatz zu den eleganten Fuhrwerken und den modisch geputzten Spaziergängern fiel eine Gruppe einfach gekleideter Menschen auf, die offenbar zusammengehörten. Die Jüngeren unter ihnen trugen Blumentöpfe in den Armen und einige begleiteten auf dem Fahrdamm einen von zwei jungen Leuten gezogenen Handwagen, auf dem Palmen, Azalien, Kamelien und andere wertvolle Gewächse standen. An einem Querwege bogen sie in den Tiergarten ein und machten vor dem Marmordenkmal der Königin Luise Halt. Da trat ein hochgewachsener älterer Herr mit vornehmen Gesichtszügen aus der Gruppe heraus und sagte in herzlichem Tone: »Nun frisch ans Werk, ihr lieben jungen Freunde, folgt nur den Anweisungen unseres Fritz Werner, der wird seine Sache schon machen!« Damit klopfte er dem jungen Gärtner freundlich auf die Schulter. »Ich werde tun, was ich kann, Herr Graf«, erwiderte dieser, und bald war vor dem Denkmal ein herrliches Blumenbeet entstanden, dessen Hyazinthen die Luft mit fast betäubendem