Chapter

Erster Teil

Ostwind, Wind aus dem Osten, ein mächtiger Hochdruck über dem ganzen Kontinent. Schon zwei Juni-Wochen hielt es an. Die alte Schlechtwetterhexe Europa strahlte in strammer Wolkenlosigkeit. Sie tat, als wäre sie jung und gesund wie am fünften Schöpfungstag, als wäre sie unberührt von dem Geschöpf des sechsten Schöpfungstages, unvergiftet von den Dünsten seiner Großhirnrinde, unverseucht von den Bazillen seiner Gier. Als wäre nichts geschehn, so tat die Dame Europa, und rollte frisch und naiv dahin, mit reinem Atem, auf ihrem kleinen Platz auf der großen Kugel. Aber was für eine Figur sie hat, die gute Alte, auch beim besten Wetter! Ohne Grazie spreizt sie ihre drei Beine ins Mittelmeer, doch sie sind schmutzig geblieben trotz des klassischen Dauerbades. Plump ist ihr Leib und man kann nicht sehn, was Bauch ist und was Brust ist. Einst war Frankreich ihr süßer Bauch, Deutschland ihr bitteres Herz, Rußland ihr geheimnisvoller großer Arsch, zusammengewachsen mit Asien. Jetzt sind die Linien verwischt, viele politische Fettfalten laufen wirr über das welke Fleisch, überallhin und nirgendwohin, du kannst nicht mehr erkennen, wo diese Dame atmet und wo sie verdaut. Mit ihrem skandinavischen Fangarm klammert sie sich ans Eis des Nordpols, mit ihrem englischen Fangarm verkrallt sie sich im Ozean: wo aber ist ihr Kopf, ihre Augen, zu schauen, und ihre Ohren, zu hören? Wer weiß vielleicht

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