Chapter

Die Harpyen von Madrit

Sevilla, eine alte Stadt in Spanien, die Hauptstadt Andalusiens, die Schatzkammer der Reichthümer im südlichen Indien, die Vaterstadt der edelsten und erlauchtesten Familien, erzeugte auch zwey schöne Schwestern. Ihr Vater hatte in einer indischen Expedition sein Leben eingebüßt, und so lebten sie denn als arme, verlassene Waisen in Gesellschaft ihrer Mutter, die sich als Wittwe kümmerlich behalf; denn sie hatte mit ihrem Manne zu Havana zugleich all ihr Vermögen verloren. Ihre letzte Hoffnung bestand in einigen kleinen Schulden, die sie in Sevilla stehen hatte, und die ihr nun heraus bezahlt werden sollten. Es gelang ihr auch nach Wunsche, und sie beschloß, ihren Wohnsitz, und ihre Lebensart zu ändern, und zwar bevor sich das Gerücht vom Tod’ ihres Gemahls weiter verbreitet haben würde. Sie konnte noch nicht mit sich selbst überein kommen, ob sie Granada oder Cordova vorziehen sollte; und mitten in dieser Verwirrung trat eine ihrer ältesten Freundinnen zur Thür herein, der sie auch alsobald ihren Entschluß sammt den Schwierigkeiten, die sich fänden, vortrug. Das Mütterchen hatte manches in der Welt erfahren, und sprach der ehrlichen Frau bald Muth ein. „Liebe Theodore,“ sagte sie (so hieß unsre Wittwe), „es freut mich, daß Sie mir so treuherzig begegnet; und ich — dabey nahm sie eine tüchtige Prise Spaniol — und ich will eben so unbefangen reden; denn ich habe manche Schule

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