Chapter

Die grünrote Schnur - 1. Kapitel

Seltsame menschliche Gewächse gedeihen im bunten Garten dieser Welt … Menschen trifft man, die einem vorkommen, als stammten sie von einem anderen Planeten … Einsiedlerische Originale hausen im Getriebe der Millionenstädte — unbeachtet, unbekannt, kaum von den Flurnachbarn in den Mietskasernen eines neugierigen Blickes oder Wortes gewürdigt … — Solch ein Wesen, ein altes, vertrocknetes Fräulein mit einem spitzen Vogelgesichtchen, erwies uns beiden an einem warmen Apriltage die Ehre … Saß uns gegenüber im Klubsessel … In einer Tracht, die vor vierzig Jahren Mode gewesen. In einer einst schwarz gewesenen Spitzenmantille, die jetzt grünlich schillerte … Mit einem zerknitterten Hütchen auf dem grauen Scheitel, mit vielfach gestopften Zwirnhandschuhen und einem Riesenpompadour und einem Hündchen im Schoße, einem winzigen, etwas fetten Rehpinscher … — Das war Fräulein Irmgard Hölderlin … »Herr Harst,« erklärte sie mit ihrem eingerosteten Stimmchen, »ich weiß gar nicht, wie ich den Mut gefunden habe, hier zu Ihnen zu kommen … Wo Sie doch eine Berühmtheit sind und nur Kriminalfälle bearbeiten, die, wie man sich wohl ausdrückt, sensationell sind …« »Entschuldigen Sie, Fräulein Hölderlin,« meinte Harald liebenswürdig, »in den seltensten Fällen wird man von vornherein wissen können, ob ein einzelnes Ereignis oder eine Reihe merkwürdiger Geschehnisse wirklich bei näherer Prüfung auf eine

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