Chapter

Die grüne Nachtigall

Das grüne Haus glich so sehr einem Aufbau aus Pistazieneis, daß man wirklich erwartete, es werde sich sogleich in den Strahlen der Märzsonne auflösen: die Säulen werden zerschmelzen, die Gesimse heruntertropfen und der kleine morsche Balkon sich ganz langsam nach links, zur Kirche zu neigen und so hängen bleiben. Die Hausbesitzer und die Sonne hatten offenbar Mitleid mit dem freundlichen alten Haus und ließen es in seinem Grün die wenigen Lenze, die ihm noch blieben, begrüßen; im Hofe war aber das offizielle und unverblümt einträgliche graue Ungetüm von einem Zinshause errichtet. Das Asphalttrottoir machte am niederen Zaune eine Biegung und floß direkt zur Einfahrt, auf der, wie auf einer Festung, eine Fahne flatterte, und sich im Winde ein Leinwandstreifen blähte, der die Inschrift trug: »Lazarett der Mieter des Umnowschen Hauses«. Die Sonnenstrahlen drangen auch hierher; sie machten keinen Unterschied zwischen dem grünen Haus und dem grauen Zinsungetüm, zwischen dem Lazarett und den gemütlichen alten Zimmern. Am Fenster glänzte ein Spielzeug: eine goldene Schachtel mit einer runden Rosette auf dem Deckel. Drehte man einen Schlüssel um, so klappte die Rosette auf, auf ihrer inneren Seite erblühte ein Rosenbusch, und ein flinker Vogel sprang heraus; er schüttelte den grünen Schwanz, schlug die blauen Flügel, und aus dem Innern der Schachtel klang etwas wie Nachtigallenschlag.

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