Einleitung
Nicht an den Fluren des Ganges oder im Tieflande der Mongolen, nicht in den fruchtbaren Ebenen des Euphrat und Tigris noch im Lande der Pyramiden hat die eigentliche Wiege der Philosophie gestanden, sondern im kleinasiatischen Griechenland. Gewiß, auch in den alten Kulturländern des fernen Ostens hat es so etwas Aehnliches wie Philosophie, hat es tiefsinnige Weltanschauungssysteme gegeben. So im China des sechsten Jahrhunderts vor Christus, wenn Meister Lao, d. h. der Alte, an den Anfang der Dinge das Tao, d. i. einen namenlosen Urgrund, setzte, aus dem der Schöpfer des Alls, aller Kräfte und aller Tugenden hervorging, der auch dem Handeln der Menschen den richtigen Weg weist, und zu dem der Weise wieder emporstrebt, indem er sich von allem Sinnlichen löst und auf sich selbst zurückzieht. Und wenn im Gegensatz zu dieser tiefsinnigen Weisheit, zu der wohl nur wenige durchdrangen, ein Jahrhundert später der nüchternere Meister Kung (von den Jesuiten in Confucius latinisiert) eine dem Durchschnitt seines Volkes besser angepaßte, darum auch heute noch in Blüte stehende rein praktische Sitten-, Staats- und, wenn man will, Religionslehre schuf. Philosophischer angelegt als die übrigen Orientalen (Morgen- oder Ostländer), sind die uns als Indogermanen stammverwandten Hindus des alten Indiens. Hier sind eine ganze Reihe teils philosophischer, teils theologischer, aber zum Teil auch dem