Chapter

Zueignung: An Danae

Geschrieben im Jahre 1769 Ich weiß nicht, woher Sie es nehmen, schöne Danae, daß ich mehr von den Grazien wissen müsse als ein andrer: genug, Sie wollen es so, und Sie bedienen sich eines meiner eigenen Grundsätze, um alle die Bedenklichkeiten zu vernichten, die ich mir darüber machen könnte, Ihnen, die mit allen Ihren Vortrefflichkeiten doch nur eine Sterbliche sind, die Geheimnisse meiner geliebten Göttinnen zu verraten. »Der poetische Himmel (sagen Sie) hat, wenn ich Ihnen selbst glauben darf, ganz andere Gesetze des Wohlanständigen, als diejenigen, wornach menschliche Sitten und Handlungen beurteilt werden. Die Göttin der Liebe hat keine Ursache zu erröten, daß sie den Adon zum Glücklichsten unter den Sterblichen gemacht hat. Gesetzt also auch, Sie wüßten von ihren Grazien mehr, als eine Sterbliche gern von sich wissen ließe, so würd es doch keine Unbescheidenheit sein –« Verzeihen Sie mir, Danae! Warum sollten die Grazien nicht eben so wohl ihre Mysterien haben, als Isis und Ceres? Und sollt es einem Dichter zu verdenken sein, wenn er zu gewissenhaft wäre, die Geheimnisse der liebenswürdigsten Göttinnen vor profanen Augen aufzudecken? Doch, dies ist hier der Fall nicht! Vor Ihnen, schöne Danae, können die Grazien keine Geheimnisse haben wollen; oder welche Sterbliche dürfte sich Hoffnung machen zu selbigen zugelassen zu werden, wenn diejenige nicht dazu berechtigt wäre,

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