Erstes Buch
Es war nur ein schmaler, unsicher tanzender Sonnenstrahl, der aus dem lichtblauen Maihimmel sich durch ein kleines, tief in dicke Mauern eingezwängtes Fenster auf das gesenkte Haupt eines jungen Mädchens stahl. Ab und zu erhob das schlanke Geschöpf, das auf einem erhöhten Fenstersitz saß und schrieb, den Kopf mit den reichen kastanienbraunen Flechten von der Schreiberei auf dem alten Mahagonitisch. Dann blickten die Augen ein klein wenig schwermütig zu dem kleinen Fenster hin, durch das man nur eine schmale enge Gasse sah und darüber hinaus ein paar rote Fabrikschornsteine mitten auf dem flachen, unbebauten Acker. Es war Mittag, und tiefe Stille war in dem weiten, gewölbten, dickmauerigen Gemach, in dem das Mädchen schrieb. Auch drüben in der Tapetenfabrik herrschte die tiefe Ruhe der Mittagspause. Die Maschinen standen still. Auf den Arbeitstischen der Zeichner lagen Stifte und Farben unbenutzt. Das Bureau war geschlossen. Ab und zu, in langen Zwischenpausen, trug ein leiser, auf- und abwellender Wind schwache Laute an das Ohr des schreibenden Mädchens: ein leises Rauschen unten vom See her, auf den die Graue Gasse mündete, Stimmen, Kinderlachen und selten einmal das Rollen eines Wagens oben von dem grünen Plateau, aus dem sich der Hauptteil des Städtchens aufbaute. In immer kürzeren Pausen sah das Mädchen von seiner Arbeit, Rechnungsbüchern, Auszügen, Rechnungen und Papieren,