Erster Theil
Das italienische Opernhaus in Berlin, während der ersten Jahre Friedrichs des Großen, war damals eins der schönsten in Europa. Der Eintritt ward nicht bezahlt, denn das Schauspiel unterhielt der König. Demungeachtet brauchte man Eintrittbillets; denn alle Logen hatten ihre feste Bestimmung: hier waren die Prinzen und Prinzessinnen der königlichen Familie, dort das diplomatische Corps, ferner berühmte Reisende, dann die Akademie, in andern Logen die Generale; kurz, überall die Familie des Königs, die Dienerschaft des Königs, die Beamten des Königs, die Schützlinge des Königs; man konnte sich darüber auch nicht beklagen, weil das Theater und die Schauspieler dem König gehörten. Für die guten Einwohner der guten Stadt Berlin blieb nur ein kleiner Theil des Parterre's, denn der größere Theil davon wurde von den Soldaten eingenommen, da jedes Regiment das Recht hatte, eine gewisse Anzahl Leute compagnieweise hineinzuschicken. Statt des heiteren, beweglichen und geistreichen Publicums von Paris hatten die Künstler also ein Parterre voll » von sechs Schuh hohen Helden« wie sie Voltaire nannte, vor den Augen, die ihre hohen Mützen auf dem Kopfe und meistentheils ihre Frauen auf ihren Schultern, eine ziemlich lärmende Gesellschaft bildeten, stark nach Tabak und Branntwein rochen, von Nichts Etwas verstanden, große Augen machten und, aus Achtung gegen die Ordre, weder zu applaudiren noch