Kapitel 1
Vermag das Weib wohl mehr ein Weib zu hassen? Vermag die Frau wohl mehr den Mann zu lieben? Trotz des Regens und Windes fuhren fast alle Carossen von Copenhagen in Eil nach dem Holm am Hafen den 8. August 1663.. Sie waren meist voll vornehmer Damen von Adel, die aus Neugier schon immer links und rechts mit gespannten Augen in die Straßen und auf den Schloßplatz sahen, als hätten sie etwas Einziges versäumt. Die vielen Wagen, die aus allen Theilen der Stadt hieher eilten, reiheten sich zu beiden Seiten des Weges vom Zollamt nach dem blauen Thurme, dem Gefängniß schwerer Verbrecher. Unzählige Frauen und Männer kamen desselben Weges mit hastigen Schritten; anderes Volk, selbst Straßenbuben vermehrten den Gedrang und das Getümmel. Viele, vielleicht die Meisten wußten augenscheinlich nicht, was für ein Wunder hier zu sehen sein, oder was sich hier Sonderbares begeben solle. »Ein Meerweib soll ausgeschifft werden, ein lebendiges, wunderschönes Meerweib mit langen Haaren!« sprach ein Perückenmacher, der ausgelacht ward von den Jungen, während er erzürnt hinzusetzte: In Dover haben sie es gefangen! Dort im Schiffe steckt’s! Und aller Augen richteten sich nach dem einzigen Schiffe, das in einiger Entfernung im Hafen Anker geworfen. Das ist Capitain Drejen; Schiff Ugartilock; zehn Canonen; sprach ein Matrose. Ich sollte mit nach Dover. Die Damen in den Carossen lächelten dazu, Andere