Die Gräfin mit den Kormoranen - Die 102 Steine
Bevor ich die Geschichte der Gräfin mit den Kormoranen hier erzähle, muß ich notwendig für die Mehrzahl der Leser, die mit den Eigentümlichkeiten der Kormorane kaum vertraut sein dürften, einige aufklärende Bemerkungen vorausschicken. Der Kormoran, auch Seerabe oder Scharbe genannt, ist ein etwa 92 Zentimeter langer Vogel mit langem schlanken Hals, Kehlsack, metallisch-schwarz grün gefärbt, mit starkem Hakenschnabel. Seit Alters her wird der chinesische Kormoran zum Fischfang benutzt. Die Vögel lassen sich leicht dazu abrichten, und ein um den Hals unter den Kehlsack gelegter Ring hindert sie, die durch blitzschnelles Tauchen gefangenen Fische hinabzuschlucken. Auch in Europa war diese Fangart mit Kormoranen früher sehr verbreitet, besonders in England, Frankreich und Holland. In letzter Zeit ist der Kormoran-Sport in Holland wieder aufgelebt. Diese kurzen Bemerkungen genügen, und ich beginne nun unser seltsames Abenteuer mit der Gräfin Wilhelmine van der Haag. — Der September 1923, jener Monat des Unheils, wo die deutsche Papiermark sich der Billion näherte, brachte auch für die beiden Menschen, die ich am meisten liebe, für meinen Freund Harald Harst und seine gütige Mutter Sorgen und Aufregungen. Nicht minder für mich, der ich ja Hausgenosse der beiden bin und an allem Anteil nahmen darf, was die lieben Menschen angeht. Harald war an Grippe erkrankt. Sehr schwer. Das