Das Marienbild.
Der Hausmarschall, von der Last mehrerer ihm bereits ertheilten Aufträge niedergedrückt, verbeugte sich tief, und wollte das Kabinet verlassen, aber der Fürst rief: »Noch eins! – Kennen Sie dieß Gesicht?« und reichte ihm ein Miniaturgemälde, was auf dem Schreibtische unter Papieren verborgen gelegen hatte, und dem Gefragten lächelte ein mildes Engelsköpfchen entgegen. »Was meinen Sie dazu?« sagte der Fürst, sich an des Mannes lebhaftem Entzücken im Stillen ergötzend. »Das ist ein wahres Marienbild,« entgegnete der Marschall, denn ein solcher Zauber, eine solche himmlische Lieblichkeit durfte unter den Sterblichen der wirklichen Welt schwerlich gefunden werden.« »Doch, doch,« erwiederte der Fürst mit sichtbarem Antheil. »Es ist – ich sage Ihnen etwas, was hier noch Niemand weiß, und Zagern, Sie werden mein Vertrauen zu ehren wissen – es ist« – er zögerte, das Wort auszusprechen, als möchte er das Geheimniß nicht gern preis geben, und müsse es doch, wenn er zum Zweck wolle – »es ist hoffentlich meine künftige Schwiegertochter!« Zagern hob das Auge auf zu seinem Herrn, als traue er seinem Ohre nicht. Mit einem entfernten Hofe, auf dessen Kreise er früher seine Frau geheirathet hatte, stand er seit Kurzem in den allergeheimsten Unterhandlungen, die auf die Verbindung des Prinzen Ewald mit Prinzessin Rebekka, der Tochter jenes hohen Hauses, führen sollten. Goldene Dosen mit