Chapter

Erstes Buch

Das sarazenische Fläschchen Das Burgzimmer ist klein und beklommen. Ein gemischter, häuslicher Geruch von Eingemachtem, frischer Wäsche, Lavendel, Salbei, Gewürz und getrockneten Kräutern erfüllt es. Durch das offenstehende Fenster dringt nur wenig Luft herein, und die ist heiß und schwer, mit Rauchdunst beladen. Die Frau, die an die zurückgeschlagenen Butzenscheiben gelehnt steht – eine noch jugendlich-schlanke Gestalt – blickt in das Tal hinaus, dessen regungslose weißgelbe Kornfelder etwa eine halbe Meile entfernt von tannendunklen Hügeln eingefaßt werden. Ein gemächlich dahingleitendes Flüßchen durchzieht es in großen Schleifen. Unten, wo die Felsmasse, auf der die Burg steht, steil herabstürzt, drängen sich die Schindeldächer des Städtchens zusammen. Im Schatten zweier mächtiger Roßkastanien watet eine Brücke gar gewaltig auf steinernen Pfeilern bis zur Mitte des Flußbettes hinaus, um dann dort, wo die Flut im Sonnenlichte glitzert, auf Holzstelzen bescheiden das diesseitige Ufer zu erreichen. wo das Wasser am schattengrünsten ist, blinkt ein Goldstreifen – die Spiegelung eines Wirtshausschildes, das sich hinter dem Laube verbirgt. Vom stämmigen Kirchturme läutet die Vesperglocke. Ein liebliches, idyllisches Bild! Aber die schöne Burgfrau, die es betrachtet und dabei oft mit ungeduldigen Blicken den die Burgklippe erklimmenden Weg absucht, sie weiß nur zu wohl, warum

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