Die Goldquelle
Der Tag begann wie immer, der Lärm überfiel die ehemals stille Straße gegen acht Uhr, ländliche Gefährte polterten grob über das Pflaster und luden laute Menschen ab, laute Menschen zogen zu Fuß heran, ein Aufmarsch krachender Stiefel und Stimmen – und die Anwohner, mittlere Rentner, mittlere Beamte, murmelten ihre allmorgendliche Verwünschung. Die fremdartige und ungehörige Aufführung – ein Schaden, mehr noch, eine Schande für die gutbürgerliche, fast schon patrizische Straße dauerte nun den ganzen Tag, man wußte es zur Genüge, sie begann eine Stunde vor der Schaltereröffnung und versickerte erst geraume Zeit nach Geschäftsschluß. Vor dem Portal eines mittelgroßen Hauses von auffällig gelber Farbe – vor zwei Jahren noch ein Wohnhaus wie die anderen auch, mit grauer ruhiger Fassade – standen schon zwei Schutzleute: und sie gaben dem Bau etwas Amtliches, Respektheischendes und Wohlbehütetes. Aber sie standen doch vor dem Sitz des »Volkskredits Vio«, dem Ziel der Straßenfriedensstörer, und waren dazu da, den Zustrom der sonderbaren Pilger zu regeln, die Angestauten bis neun Uhr in Reih und Glied zu halten und Exzesse der Ungeduld zu verhüten. Sie waren auch dazu da, um Betrunkenen den Eintritt zu verwehren; denn gegenüber dem gelben Bau war die »Goldquelle«, ein Bierlokal, mit der gleichen gelben Farbe angestrichen und recht rücksichtslos aus dem grauen Mietshaus