Erstes Kapitel
Wir hatten um vier Uhr Morgens Gravesend verlassen und befanden uns jetzt, halb neun Uhr abends, in Höhe von Süd-Foreland. Bis hierher hatten wir viel lavieren müssen, nun aber blies uns der Wind mit vollen Backen in geradem Kurs den Kanal hinab. Es war eine beinah winterlich kalte Septembernacht. Ueber den am Himmel stehenden Vollmond fegten zerfetzte, dampfartige Federwölkchen. In blassem Schimmer erhoben sich auf Steuerbord die hochgetürmten finsteren Massen von Foreland. Hoch herab von ihnen strahlte, wie ein großer Stern, das Licht des Leuchtturms. Weiterhin flimmerten, gleich einem Schwarm von Leuchtkäfern, die Lichter von Dover. Dahinter bezeichnete ein matt nebliger Schein Folkestone. Ueber Backbord blinkte flackernd wie ein fernes Feuer die Laterne des Feuerschiffs von Süd-Sand-Head. Stampfend und schlingernd schoß das Schiff dahin. Masten und Stangen ächzten unter den böartigen Windstößen; der Bug begrub sich manchmal förmlich in den schäumenden Wellenbergen. Der ganze Rumpf erzitterte unter dem Anprall der Wogen, die ihr Spritzwasser bis zu mir aufs Kampanjedeck Aufbau auf dem Hinterdeck. schleuderten, von wo aus ich das Nachtgemälde betrachtete. Das Schiff war der Dreimaster »Gräfin Ida«, ein damals wohlbekannter Ostindienfahrer. Seine Reise ging nach Bombay; er hatte in Gravesend eine Menge Passagiere an Bord genommen. Von diesen war ich augenblicklich der einzige,