Die goldene Schere
1. Kapitel. Vorspiel. In dem gemütlichen Garten des Gasthauses »Zur Post« in Mittenwald saßen am Nachmittag des 12. August an sauber gedecktem Tischchen zwei Herren in bayerischer Älplertracht und genossen Kaffee, vorzüglichen Kuchen und die Aussicht auf den steil ansteigenden, zerklüfteten, 2400 Meter hohen Karwendel. Neben dem Tischchen lag in der prallen Sonne eine riesige Tigerdogge und schlief, den prächtigen Kopf auf die Vorderpfoten gestützt. In dem kleinen Pavillon spielte diskret eine aus drei waschechten Tirolern (die Tiroler Grenze war kaum hundert Meter entfernt) bestehende Kapelle. Der schattige Garten war gut besucht. Ausflügler, Kurgäste, ein paar Mittenwalder: ein buntes, frohes Bild! Neben Herren mit tadellosen Bügelfalten und dem wieder modern gewordenen Monokel gar mancher Tourist in verwitterter Kluft, neben Damen nach der letzten Mode auch andere, die sich vernünftiger angezogen hatten … — Die beiden Herren mit der Tigerdogge waren wir … Unsere Jagd auf das Edelwild Gussy Wendnoor und James Henderson (Gott mochte wissen, wie der Hochstapler wirklich hieß) hatte hier in Mittenwald, nein, droben in den Schluchten des kahlen Karwendel vorläufig ein Ende gefunden. Das Gaunerpärchen, das so schlau nicht nur die Löwengaardschen Juwelen, sondern auch rund dreißigtausend Mark in bar erbeutet hatte, war nach der Zugspitze in den Bergen spurlos verduftet, und selbst