Die goldene Kette
»So« sagte Frau Tann zu sich, »das hätten wir mal wieder geschafft.« Sie stemmte befriedigt die Hände in die Seiten vor der Hügelkette von frisch geplätteter Wäsche, von Herren- und Damenhemden, Frisiermänteln, Kinderhöschen, Kragen und Taschentüchern, die sich auf der breiten Tischplatte vor ihr erhob. Das alles war Direktors Wäsche. Aber was jetzt noch unten im Korb lag, waren ihres Jungen Hemden. Sie holte eins hervor, breitete es aus, und als sie nun die Flasche ergriff, um es zu bespritzen, kam ein leises, vergnügtes Auflachen aus ihrer Kehle. Dabei blitzten ihre Zähne, und in ihre hochroten Backen legten sich hellere, blasse Grübchen, ein Schein aus leichtbeschwingten Jungmädchentagen. Sie hatte gerade denken müssen, wie Heinz daherspazieren würde durch die Straßen der fremden Universitätsstadt in Schmuck der weißen Wäsche. Tadellos fein waren die Hemden. Dabei waren es eigentlich ausrangierte vom Herrn Direktor. Nach und nach hatte dessen Frau sie ihr überlassen. Und sie hatte aus dreien eins gemacht, von einem das Vorhemd, vom zweiten die Ärmel, vom dritten den Rücken benutzt. Nur die Manschetten hatte sie dazu gekauft. Der Herr Direktor trug nämlich altmodische Röllchen. Aber damit sollte ihr Junge nicht herumlaufen. Beileibe nicht! Sie blies die Holzkohlen im Bügeleisen an, krempelte die Ärmel fester an den weißen, vollen Oberarm und machte sich wieder an die Arbeit.