Chapter

Erstes Kapitel

Evarist Gamelin, Maler und Schüler Davids, Bürger des Stadtbezirks Pont-Neuf (vormals Henri IV.), ging frühmorgens nach der einstigen Barnabitenkirche, in der seit drei Jahren – seit dem 21. Mai 1791 – die Generalversammlung dieses Bezirks tagte. Die Kirche ragte auf einem engen, düsteren Platze, nahe dem Gitter des Justizpalastes. Die verwitterte, von Menschenhand verstümmelte Fassade bestand aus zwei antiken Pfeilergeschossen, die mit halb zerstörten Gesimsen und mit Pechpfannen geschmückt waren. Die Wahrzeichen des Glaubens waren roh abgemeißelt, und über dem Portal stand in schwarzen Buchstaben der Wahlspruch der Republik: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder Tod.« Evarist Gamelin trat ein. Unter den Wölbungen des Kirchenschiffs, die einst vom Chorgesang der Bruderschaft St.Pauli widerhallten, saßen jetzt die Patrioten in roter Mütze, um die Stadtverwaltung zu wählen und über die Geschäfte des Bezirks zu beraten. Die Heiligenfiguren waren aus ihren Nischen entfernt und durch Büsten von Brutus, Jean Jacques Rousseau und Le Peltier ersetzt worden. Auf dem seines Schmuckes beraubten Altar stand eine Tafel mit der Verkündigung der Menschenrechte. Zweimal wöchentlich, von fünf Uhr nachmittags bis elf Uhr nachts, fanden hier die öffentlichen Versammlungen statt. Die Kanzel, an der die Nationalfahne prangte, diente als Rednertribüne. Gegenüber, auf der linken Altarseite, war

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