Kapitel 1
Die Glücklichen – so hatte Fräulein Rosa Hesse das junge Ehepaar getauft, welches, in Begleitung eines kleinen Töchterchens und einer ältlichen Dienerin, vor einigen Tagen seinen Einzug in das Pensionat Klinger gehalten hatte. Fräulein Rosa Hesse war der Schöngeist des Pensionats, sie hatte vor zwei Jahren eine Novelle in einem Familienjournal dritten Ranges erscheinen lassen, sie war in ihren Kreisen daheim in Frankfurt an der Oder als Gelegenheitsdichterin bekannt, sie las alles, wie sie mit besonderer Betonung zu versichern liebte … alles … und verschloß sich keiner Richtung in der Litteratur, weder der naturalistischen, noch der symbolistischen, denn Einseitigkeit war ihr ein Greuel. Das Pensionat Klinger war bereits etwas zusammengeschmolzen, als das junge Ehepaar daselbst eintrat. Es war ein unfreundlicher, regnerischer Sommer gewesen. Klagen überall … aus der Schweiz – vom Salzkammergut her, wo der berüchtigte »Schnürlregen« tagaus tagein herabgoß – Klagen vom Ostseestrande und aus dem Engadin … Klagen endlich auch aus dem lieblichen Gebirgsnest in Süd-Bayern, in welchem man durch schönes Wetter sonst arg verwöhnt war. Ein so reizendes Stück Erde! Tief gelegen – hoch gelegen, wie man's eben nehmen wollte, denn die zierlichen, wie aus der Spielzeugschachtel genommenen Häuschen kletterten hier waghalsig die Berge empor, versteckten sich dort eigenwillig unter breitästigen