Die Glocke von Aragon
Der Rath Eßling war schon seit länger als einem Jahre mit seiner Cäcilie verheirathet. Die beiden Menschen waren glücklich, und um so mehr, da die wackern Freunde, der Professor und der geheime Rath, mit ihnen an demselben Orte geblieben waren und sich dem jungen heitern Ehepaar immer näher anschlossen. Die Freunde, welche die Erzählung vom »Wassermenschen« – gelesen haben, werden sich vielleicht noch erinnern, daß die Mutter Cäciliens sich von dem liebenden jungen Rath Eßling ausbedungen hatte, daß er sie mit Erzählungen, Abentheuern und Novellen unterhalten solle, die ihr hoffentlich mehr, als die gedruckten Bücher dieser Gattung zusagen würden. Der junge Mann hatte im vertrauten Kreise seitdem vielerlei vorgetragen, da ihm die Erfindung leicht wurde, er auch, wenn er in Verlegenheit gerieth, in seinen improvisirten Romanen abbrechen konnte, wo und wenn es ihm bequem war. Oft trug er Erinnerungen und komische Vorfälle aus seinem eignen Leben oder dem seiner Jugendfreunde vor. Zuweilen erstattete er einen kurzen Bericht aus dicken Büchern, die den Verfassern zu weitläufig gerathen waren, und zur Abwechslung las er auch vor, was ihm anziehend genug dünkte. So abweichend die Ansichten der Mutter auch von denen des Erzählers seyn mochten, so konnte sie sich doch nicht verhehlen, daß sie wirklich sich unterhalten fühlte, und daß die langen Winterabende durch die Darstellungsgabe