Chapter

Die Gesellschaft auf dem Lande

Als die beiden jungen Freunde sich an der Aussicht über den Strom hin ergötzt hatten, gingen sie über die Brücke, um sich jenseit zu trennen, indem Franz, der ältere von beiden, sagte: auch im Brandenburgischen Lande, mein theurer Gotthold, giebt es schöne Naturgemälde, wenn man sie nur aufzusuchen versteht, und keine phantastischen Erwartungen hinzubringt, die eigentlich jeden Genuß, sei es hier, oder in Italien, verderben. Gotthold erwiederte: Du hast so sehr Recht in diesen Worten, daß man sie auf alles anwenden kann, auf Kunstwerke, Bücher und Menschen. Wie Wenige wissen denn nur, was sie von einem guten Buche, von einer Geschichte, von einer Composition fordern sollen. Sie verlangen entweder gar nichts, oder sie wollen sich nur ihre Neigungen, Vorurtheile und Schwächen heraus lesen, oder das bei Caspar finden, was ihnen gestern im Werke des Melchior gefiel: wenn nicht ein ganz Unbestimmtes, Unbedingtes, Luftiges ihnen vorschwebt, das sie das Ideal oder das Interessante taufen. Franz blickte noch einmal nachdenkend in das Wasser und sagte dann: von ihrer Gegend rinnt der Strom her, ihre Blicke haben vielleicht auf diesen Wogen geruht: ist denn wohl auch ihre Sehnsucht in diesem Glanze? Laß das Phantasiren, sagte Gotthold, und zog ihn vom Geländer zurück. Wir sprechen so vernünftig über Bücher, und richten doch unsere Lebensart selbst auf so tadelnswürdige Weise ein. Du

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