Die Scheidung
In einem Gerichtssaal der Stadt Brandenburg standen vor dem Richter zwei Personen mit ihren Anwälten. Der Richter hatte soeben dem Diener den strengen Befehl gegeben, das Publikum nicht einzulassen. Nur den Berichterstattern zweier Zeitungen war es gestattet worden, an einem kleinen Tischchen Platz zu nehmen, um der Verhandlung zu folgen. »Baron Botho von Tresko, « rief der Richter. »Das sind Sie, mein Herr, nicht wahr? « Ein hochgewachsener blondbärtiger Mann, etwa in der Mitte der Dreißiger, der einen eleganten schwarzen Anzug trug und in seinem ganzen Äußeren sofort den Eindruck eines märkischen Edelmannes machte, antwortete zustimmend. »Frau Baronin Erna von Tresko geborene Schulz! « »Hier! « rief eine wunderschöne junge Frau von etwa dreiundzwanzig Jahren, die ein einfaches geschmackvolles, dunkles Kostüm trug. Ihr Haupt vermochte die Last der goldblonden Haare kaum zu tragen. Es neigte sich auf die Brust des jungen Weibes nieder. Oder waren es Schmerz und Kummer, die es so tief beugten? Der Richter fuhr geschäftsmäßig fort: »Für den Kläger, Baron Botho von Tresko, ist Justizrat Rank erschienen, für die Beklagte Doktor Sänger. « Die beiden Advokaten verbeugten sich. »Der Tatbestand ist uns allen bekannt, « fuhr der Richter fort, in einem Aktenstück blätternd, das vor ihm auf dem Gerichtstisch lag. »Herr Baron Tresko, ich frage Sie, ob Sie auf der Scheidung von Ihrer