Ein kritisches Kapitel
Als Fanny die beiden Damen und die ängstliche Miene der älteren sah, die sie mit einem Blicke voll unbeschreiblicher Aufregung und Furcht anschaute, begriff das arme Mädchen sogleich, daß sie Pens Mutter vor sich hätte; es war eine Aehnlichkeit zwischen den verstörten Augen der Witwe und denen Arthurs, der sich in seinem Bette fiebernd herumwarf. Fanny blickte schüchtern auf Frau Pendennis und dann auf Laura; in dem Gesichte der letzteren war nicht mehr Ausdruck, als ob es eine Steinmasse gewesen wäre. Hartherzigkeit und Trauer sprachen sich in den Gestalten der beiden Neuangekommenen aus, keine von ihnen zeigte auch nur den leisesten Anschein von Erbarmen oder Mitleid für Fanny. Sie blickte verzweifelt von ihnen weg auf den Major hinter ihnen. Der alte Pendennis schlug seine Augen nieder, blickte aber trotzdem auf Arthurs arme kleine Wärterin verstohlen unter seinen Lidern hervor. »Ich – ich schrieb Ihnen gestern, mit Erlaubnis, Madame,« sagte Fanny an allen Gliedern zitternd und so bleich wie Laura, deren trauriges drohendes Gesicht über Frau Pendennis' Schulter sah. »So, Mamsell?« antwortete Frau Pendennis. »Ich glaube, ich darf Sie jetzt von der Abwartung meines Sohnes entbinden. Ich bin seine Mutter, verstehen Sie?« 2 »Ja, Madame. Ich – dies ist der Weg zu seinem – Oh, warten Sie eine Minute,« rief Fanny weinend aus. »Ich muß Sie vorbereiten auf seinen –« Die Witwe, deren