Erstes Kapitel
Schwül, warm und feuchteschwer wehte der matte Atem der lichtlosen Sommernacht. In der Ferne schwankten über den finsteren Himmel die Unruhgedanken flatternden Wettergeleuchts. Unruhgedanken wechselten so mit farbigem Aufleuchten und zagem Erlöschen auch in der Seele des einsamen Mannes, der müden Fußes die dunkle Landstraße hinabschritt. Er war der einsamen Nachtwanderungen gewohnt, für ihn hatte es keinen Schrecken, zwischen Erd' und Himmel meilenweit das einzigwache Herz durch die Nacht zu tragen – wenn die Gnade der Sternenpracht über seiner Straße leuchtete, oder in dunklen Nächten gleich dieser; oder bei Regen, Sturmgebraus und weißem Flockentanz. Zudem – zu geschweigen, daß er ein tapferer, mannlicher Gesell – zum rechtschaffenen Fürchten bedarf's der Muße und guter Weile, wie denn alle Dummheit in einer leeren Seele geil ins Kraut schießt. Leer aber war mit nichten unseres Fahrenden Seele, am wenigsten heut, in dieser schwülen Nacht: Starke Träume und ernste, leidenschaftliche Gedanken trieben sich da drinnen fieberwild durcheinander. Auf dem Rücken trug er eine dunkle Last, ihr möchtet's schwerlich in dieser sternlosen Nacht erkennen, was es ist – bei Tageslicht ist's ein grüner Leinensack, was drinnen steckt, ist sein Ein und Alles: seine Geige, und der nächtliche Wanderer ist Peter, der Fiedler, der drunten im Dorf heut bei einer Hochzeit aufgespielt hat und nun