Chapter

Dick Naseby und Esther van Tromp

Die Geschichte einer Lüge Aus: Der weite Horizont. Meistererzählungen Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig Deutsch von Curt Thesing Während seines Aufenthaltes in Paris schloß Dick Naseby manche seltsame Bekanntschaft. Er war einer von jenen, die Ohren haben zu hören und die ihre Augen nicht weniger als ihren Verstand zu gebrauchen verstehen. Er machte sich ebenso viele Gedanken wie Stuart Mill. Aber seine Philosophie hatte Fleisch und Blut, und ihre Methoden gründeten sich auf Experimente. Ständig war er auf der Jagd nach menschlichen Originalen. Nichtssagende und unbedeutende Persönlichkeiten, mochten sie in Gestalt von Herzögen oder von Handlungsreisenden auftreten, verachtete er und ließ sie wie Seetang links liegen. Aber zeigt ihm ein überfeinertes oder charaktervolles Antlitz, laßt ihn ein einschmeichelndes oder tönendes Organ hören, ködert ihn mit einem lebensvollen Blick in eines anderen Auge, einer leidenschaftlichen Gebärde, einem bedeutungsvollen oder doppelsinnigen Lächeln, und sofort ist sein Interesse wach. Das ist ein Mann! Das ist ein Weib! schien er dann zu sagen, und mit der Begeisterung eines Künstlers für seine Kunst macht er sich an die Lösung seiner Aufgabe. Und wirklich war sein Interesse, richtig betrachtet, ein künstlerisches Interesse. Beim Studium der menschlichen Natur gibt es kein Wissen. Alles Verstehen bedeutet Nachschaffen. Die Frau, die

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