Chapter

Erstes Kapitel

1. In der Mitte des September ereignete sich ein ungeheuerlicher Vorfall, von welchem einige Tage lang ganz München sprach. Gegen die Abendstunden herrscht in der Nähe der Akademie und der Universität bewegtes Leben. In einer der Straßen, die sich dort in mathematisch genauen Rechtwinkeln durchschneiden, steht ein altes und ziemlich baufälliges Haus. Um die Zeit, wo die Studenten schon die letzten Collegien durch die Gartenseite zu verlassen pflegen, erschallte aus dem Flur dieses Hauses ein lautes Geschrei. Gleich daraus stürzte ein völlig nacktes Mädchen aus dem Thor auf die Straße. Sie hielt beim Laufen die Arme in die Höhe, und zwar in einer sonderbaren Weise: als ob sie fürchte, ein schwerer Gegenstand könne über sie herabfallen. Sie schrie nicht in abgesetzten Lauten, sondern es war ein einziger langgedehnter Ruf, von der Zeit, die sie brauchte, um aus dem Hofatelier bis in die noch helle belebte Straße zu gelangen. Es ist klar, daß sofort jeder Verkehr auf diesem Teil der Straße stockte. Menschenmassen liefen zusammen, deren plötzliches Auftauchen etwas Rätselhaftes hatte. Die Fenster der Wohnungen öffneten sich für erschreckte Gesichter, die dann allmählich ins Grinsen kamen, – aus naheliegendem Grund. Dem Mädchen zunächst hatte sich ein Kreis von Studenten gebildet. In blöder und komischer Ratlosigkeit starrten sie auf den am Boden liegenden nackten Körper. Das Gesicht

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