Chapter

Die Geheimrathin

Die Stadt hat sich außerordentlich verändert, dachte Herr von Perser, als er in einer Droschke, die er nach seiner Ankunft am Bahnhofe bestiegen hatte, durch ihm fremde, neu errichtete Straßen fuhr. Im Wagen hatte der Reisende einen leicht tragbaren Handkoffer auf dem Sitz gegenüber, und auf den Knieen einen Plaid, den er beim Frost eines früh dämmernden Herbstnachmittags um so fester an sich zog, je weniger dicht sein Oberkleid erschien. Fünfundzwanzig Jahre! fuhr er in seinen Gedanken fort, die silberne Hochzeit meiner ersten Trennung von dieser alten geliebten Stadt oder meiner ersten Begegnung mit dem schrecklichen Paris. Nie wieder dahin! Das ist eine Zeit, daß nicht bloß die Weltgeschichte, daß auch gewöhnliche Bauleute schon etwas aufführen können. Ich hoffe aber, sie haben mir das alte Gebäude unangetastet stehen lassen; es hat immer so fest und stattlich ausgesehen, wie für Jahrhunderte gebaut. Die Droschke bog jetzt in Straßen ein, deren er sich wohl zu erinnern vermochte; ja er wollte sogar hier und da einen Laden wiedererkennen, wie er ihn in seiner Jugend gesehen hatte. Dies überkam ihn wohlthuend wie eine Illusion, als ob noch vieles Andere unverändert geblieben sein müßte, unbeschadet freilich des Hinschwindens seiner eigenen Jünglingstage. Unveränderlichkeit ist oft ein so großes Uebel, Menschen und Dingen gegenüber, die man um jeden Preis anders haben möchte;

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