Chapter

Die Geheimnißvolle Sängerin

Es redet trunken die Ferne Wie von künftigem großen Glück. Eichendorff. Ich war an einem der letzten Karnevalstage in Rom angekommen. Ohne mich unterwegs aufzuhalten, hatte ich die ansehnliche Strecke von München bis nach der Siebenhügelstadt am Tiber zurückgelegt, und nur in Bologna » la grassa« Nachtquartier gemacht. Nicht aus Bequemlichkeit oder weil ich ermüdet gewesen wäre, sondern aus dem alleinigen Grund, um die großartige, wildromantische Gebirgsgegend zwischen Bologna und Florenz, welche von der Eisenbahn auf kühnen Galerien und mit unzähligen Tunnels durchschnitten wird, bei Tage bewundern zu können. Bei Narni, etwa zwei bis drei Stunden vor Rom, erlitt die Fahrt eine Unterbrechung; in Folge heftiger Regengüsse war die Nere stark angeschwollen, über die Ufer tretend hatten die wilden Wasser die wahrscheinlich nicht allzu solid konstruirte Eisenbahnbrücke zerstört. Die Passagiere wurden ersucht auszusteigen, da die aus schwankenden Brettern hergestellte Nothbrücke nur zu Fuß passirt werden konnte. Auf jenseitigem Ufer stand der Zug, der uns weiterführen sollte. Es dunkelte bereits, Facchini mit Fackeln liefen neben uns her und verübten ein entsetzliches Geschrei unter dem Vorwand, uns zu leuchten und das Handgepäck zu tragen. Rauch und Qualm schlugen uns in's Gesicht, das flackernde Licht blendete die Augen, die diensteifrigen Facchini wurden in allen Sprachen

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