Erster Theil
Ein reizender Sommerabend des Jahres 1790 umfloß die Fluren Helmstädts. Der botanische Garten stand blumenvoll, und durch die Zweige seiner grünenden Bäume jagten sich zwitschernde Motazillen. Ueber frischgegrabenen Beeten tanzten Mücken im heitern Schwebereigen auf und nieder. Junge Studierende lustwandelten zu zweien und dreien mit ihren Mappen unterm Arme zwischen den Beeten, diese und jene Pflanze betrachtend. Unter einer Baumgruppe in der Nähe eines gegen den Garten sich öffnenden Pavillons, der den Hörsaal bildete, stand ein frischer Knabe, welcher eine Anzahl blühender Pflanzen in der Hand hielt, um diese dem Professor darzureichen, der Sohn des botanischen Gärtners, und ringsum waren Stühle gestellt. Immer mehr Studenten traten in den Garten, begannen Gespräche, scherzten auch wohl oder trällerten beliebte Liederweisen; Manche setzten sich auch schon an ihre Plätze, es war warm, unter den Bäumen aber erfrischend kühl. Die Uhren der Universitätsstadt schlugen die sechste Stunde, und mit ihrem Schlage nahte dem botanischen Garten ein Mann von mittler Größe, zartem Gliederbau, strammer, doch nicht gezwungener Haltung und von raschem Gang. Er hielt den kleinen dreieckigen Hut in der Hand und trug eigenes, leicht gepudertes Haar, fein toupirt, und in weichen Wellen an den Seiten des Hauptes anliegend. Rock und Beinkleider waren von grau-grünlicher Farbe, der Busenstreif von