Dritter Theil
Der Professor hatte lange, nachdem sein Pathe Gottfried ihn verlassen, im stillen Sinnen und im schmerzlichen Nachdenken auf seinem Zimmer verweilt. Mächtig stürmten Erinnerungen auf ihn ein, und an ihnen zählte er die Reihen seiner Jahre. Er war jetzt fünfundsechzig Jahre alt, Jahre, deren Zahl von vielen Lebenden nicht erreicht werden, und neben das, was er erstrebt und glänzend erreicht hatte, weil er es mit eiserner Beharrlichkeit und Willenskraft gewollt – traten zertrümmerte Hoffnungen und trotz allen Strebens unerreichte, verfehlte Wünsche. Und wer, der, selbst im Glück, zu solchen Jahren gelangte, wird nicht die gleiche schmerzliche Erfahrung dennoch auch machen? Der Mensch kann nicht alles, was er will, durchführen, auch wenn er will was er kann, das heißt, wenn er nur das will wozu seine Kräfte ausreichen, denn die Ungunst der Menschen, der Zeiten und des Schicksals können ihm die Erreichung jener Ziele unmöglich machen, an die er mit berechtigtem Vertrauen seine Kräfte setzte. So vollendet ein befähigter Meister eine Arbeit, von der er sich reichen Lohn seiner Mühen und seines Fleißes verspricht, er vollendet sie tadellos, zum Beispiel der Maler ein Gemälde, der Plastiker ein Bildwerk, der Autor ein Buch – aber die Zeiten sind ungünstig, oder das Urtheil fällt scheelblickend und neidisch aus, das Kunstwerk ist da, aber der Zweck, um dessentwillen der Künstler die