Die Gefangene von Trawalkor
Frau Helene Tschong, die Gattin des reichsten Diamantenhändlers Kalkuttas, hatte es sich nicht nehmen lassen, uns sofort in ihrer Villa vier Zimmer herrichten zu lassen. Wir konnten diese Einladung nicht gut ablehnen, zumal ja Frau Tschong eine Landsmännin von uns war und wir mit ihrem Manne bereits in Rangun auf etwas seltsame Weise bekannt geworden waren. Da wir beide nach den Aufregungen der letzten Tage, wo wir ununterbrochen gegen allerlei Hinterlist hatten ankämpfen müssen, vollständig erschöpft waren, zogen wir uns sofort in unsere nebeneinander liegenden Schlafzimmer zurück. Harst hatte lachend erklärt: »Unter acht Stunden mache ich’s diesmal nicht!« — Dann hatte er die Verbindungstür unserer Zimmer zugedrückt. Ich begann mich zu entkleiden. Zuweilen warf ich einen Blick in den prachtvollen Park hinab, der die Villa des Edelsteinhändlers umgab. Da mir war’s, als hätte nebenan in Harsts Zimmer eine Tür geklappt. Ich wußte: aus seinem Schlafgemach ging noch eine zweite Tür auf den Flur hinaus. Ich lauschte. — War er etwa nochmals hinab ins Erdgeschoß gegangen? Hatte er noch etwas mit Frau Helene Tschong zu besprechen? Alles blieb still. Ich drückte sacht auf die Klinke. Die Verbindungstür war verriegelt. — Was bedeutete das?! Harst schloß sich nie ein, wenn wir nebeneinander wohnten! Nie! Ich klopfte leise. — Keine Antwort! — Und doch konnte Harst noch nicht eingeschlafen